Betriebliche oder private BU? Eine klare Empfehlung für Mitarbeitende in Verlagen

Ein Sturz auf der Treppe zum Archiv, ein Burnout nach der Messephase, eine chronische Augenentzündung vom ständigen Bildschirm – Berufsunfähigkeit trifft nicht nur „handwerkliche“ Berufe. Gerade in Verlagen ist die Arbeitsfähigkeit Ihr zentrales Kapital. Die Frage ist nicht ob Sie absichern – sondern wie: betrieblich organisiert oder privat abgeschlossen?

1) Das Problem der Mitarbeiter*innen in Buchverlagen

Mitarbeitende in Verlagen – von Lektorinnen über Vertriebsmitarbeiter bis Herstellerinnen – arbeiten wissensintensiv, oft am Bildschirm, mit Termindruck, Deadlines und wechselnden Projekten. Das Risiko der Berufsunfähigkeit (BU) ist real, und die finanziellen Folgen sind erheblich:

  • Das gesetzliche Netz (Erwerbsminderungsrente) ist keine BU-Absicherung und fällt in der Regel deutlich niedriger aus als der Bedarf.
  • Ohne ergänzende Absicherung droht bei längerer Krankheit oder dauerhafter Beeinträchtigung ein massiver Einkommenseinbruch.
  • Wer sich heute nicht kümmert, bezahlt später mit Zins und Zinseszins – in Form höherer Prämien, Ausschlüssen oder gar Ablehnung der Absicherung.

Kernfrage:
Welche Lösung ist für Verlagsteams sinnvoller – die private BU-Police oder eine betrieblich organisierte BU (bBU) über den Arbeitgeber?

2) Klare Empfehlung

Für die meisten Angestellten in Verlagen ist eine betrieblich organisierte BU (bBU) die erste Wahl – sofern sie mit erleichterter Gesundheitsprüfung, Arbeitgeberförderung (mindestens ~15 %) und portablen Regelungen beim Arbeitgeberwechsel angeboten wird.
Ergänzung: Wenn keine attraktive bBU vorhanden ist oder die Bedingungen (z. B. Nicht-Portabilität, geringe Flexibilität) nicht überzeugen, ist eine private BU die solide Alternative – idealerweise frühzeitig abgeschlossen, mit sauberer Gesundheitsdokumentation und kluger Nachversicherung.

3) Warum diese Empfehlung

a) Zugang & Gesundheit:

In der privaten BU werden Gesundheitsfragen umfassend und individuell bewertet; Vorerkrankungen führen häufig zu Zuschlägen, Ausschlüssen oder Ablehnung.Branchenlösungen in der bBU (Medien/Verlage) bieten erleichterte Gesundheitsprüfungen – teilweise reicht eine kurze Dienst- bzw. Arbeitgebererklärung. Das öffnet Türen für Personen mit Vorerkrankungen, die privat nur erschwert oder gar nicht versicherbar wären.

b) Kosten & Förderlogik:

In bBU-Konstruktionen sind Beiträge oft effizienter, weil Gruppenbedingungen gelten und der Arbeitgeber bezuschusst (Richtgröße als Orientierung: ≥ 15 %). Die private BU kann – abhängig von Alter, Gesundheitszustand, Berufsklassifikation und gewünschter BU-Rente – deutlich teurer sein. Bei guter Konstellation bleibt sie dennoch leistungsstark und flexibel.

c) Steuern & Sozialversicherung (grobe Orientierung):

Private BU-Versicherungen sind in vielen Fällen netto (bei reiner Risikoversicherung) = brutto, da aus versteuertem Einkommen bezahlt. Die Beiträge können ggf. als Vorsorgeaufwand angesetzt werden, die Grenzen dafür sind aber fast immer schon ausgeschöpft (individuell prüfen, meistens kein Steuervorteil).

Bei der bBU hängt die Steuer-/SV-Behandlung von der konkreten Gestaltung ab (Arbeitgeberzuschuss, Entgeltumwandlung etc.). Richtig konstruiert, kann der Netto-Beitrag für Mitarbeitende deutlich sinken und somit sehr viel günstiger sein als bei privater Absicherung.

Wichtig: Die Details variieren. Prüfen Sie Ihre Jahresarbeitsentgelt, Ihre Steuerklasse und die konkrete Tarifgestaltung mit Fachberatung.

d) Leistungsbedingungen & Flexibilität:

Moderne bBU-Lösungen wie die Branchenlösung Medien“ bieten solide Bedingungen, aber in Gruppenverträgen ist die Tarifwahl oft standardisiert. Private BU bietet die volle Tarifvielfalt (z. B. Dynamiken, AU-Klauseln, verlängerte Leistungsdauern, Indexierung, Nachversicherung). Für Menschen mit sehr spezifischen Anforderungen kann das entscheidend sein.

e) Wechsel & Portabilität:

Private BU: bleibt Ihre Police – unabhängig vom Arbeitgeber.bBU: Portabilität ist lösbar, aber nicht immer automatisch gegeben. Gute Verträge wie die „Branchenlösung Medien“ erlauben Mitnahme/Fortführung. Prüfen Sie das vorab.

4) Risiken / Grenzen

bBU ohne Portabilität: Bei Arbeitgeberwechsel drohen Zuschussverlust oder neue Gesundheitsprüfungen.

Private BU: kann an Gesundheitsangaben scheitern; bei falscher oder unvollständiger Beantwortung drohen Leistungsrisiken.Steuer-/SV-Effekte: Falsch eingeschätzt, können sie die erwarteten Vorteile aufzehren.

Unterversicherung: Zu niedrige BU-Rente (z. B. aus Kostengründen) sichert nur vermeintlich ab – später fehlt Liquidität.

5) Was andere falsch machen

  • „Irgendwas abschließen“ – ohne zu prüfen, ob Bedingungen, Nachversicherung und Portabilität passen.
  • Gesundheitsfragen verharmlosen – statt Belege (Arztbriefe, Diagnosen, Medikation, Zeiträume) sauber aufzubereiten.
  • Nur auf Monatsbeitrag schauen – und Steuern, SV, Dynamik und Langfrist-Effekte ignorieren.
  • Keine Nachversicherung vereinbaren – und in 5–10 Jahren mit zu niedriger BU-Rente dastehen.
  • Wechsel im Job nicht einplanen – und später böse Überraschungen erleben.

6) Beispiel aus der Praxis (Verlagsumfeld)

Ausgangslage des Kunden:
Eine 34-jährige Lektorin (Vollzeit, Bildschirmarbeit, gelegentliche Messen) will 2.000 € monatliche BU-Rente absichern. Sie hat eine abgeheilte Depressionsepisode vor 7 Jahren und gelegentliche Migräne.

Herausforderung:
Privat drohen aufgrund der Historie Zuschläge/Ausschlüsse oder sogar die Ablehnung von Versicherungsschutz. Der Arbeitgeber bietet eine bBU im Rahmen eines Gruppenvertrags an; es gibt einen Arbeitgeberzuschuss von 20 % und erleichterte oder entfallende Gesundheitsfragen (keine Detailabfragen zu älteren Diagnosen bei bestimmter Ausgestaltung) wie bei der „Branchenlösung Medien“

Unsere Analyse:

  • Zugang: bBU ermöglicht voraussichtlich eine Annahme ohne Leistungsausschluss.
  • Netto-Last: Durch Arbeitgeberzuschuss und Steuer- und Sozialabgabeneffekte ist die bBU-Rate pro abgesicherter 100 € BU-Rente spürbar niedriger.
  • Flexibilität: Tarif ist standardisiert, aber mit Nachversicherungsgarantie und Dynamik. Portabilität bei Arbeitgeberwechsel ist im Vertrag ausdrücklich möglich (Fortführung als Einzelvertrag).
  • Steuer/Themen: Leistungen sind in dieser Ausgestaltung voraussichtlich höher zu versteuern unterm Strich bleibt die bBU aber deutlich günstiger (Tipp: BU-Rente höher abschließen und die etwas höhere Besteuerung bei Abschluss mit „einpreisen“). Beitragsseite und ggf. SV-Effekte werden dokumentiert und in der Personalabteilung abgestimmt.

Unsere Empfehlung:

  • Primär bBU nutzen (günstiger Zugang, Zuschuss, ausreichende Bedingungen, Portabilität gegeben).
  • Sekundär: Nach 12–18 Monaten ggf. Gesundheitsentwicklung prüfen, ob eine kleine private BU-Ergänzung sinnvoll ist (z. B. für besondere Klauseln/Mehrflexibilität).
  • Dokumentation: Alle Gesundheitsunterlagen gesammelt, Datumsangaben konsistent, Arbeitgeberbestätigung archivieren.

7) Q&A – Die 5 häufigsten Fragen

1) Sind Leistungen aus der BU immer steuerfrei?

Nicht „immer“. Privat abgeschlossene BU zahlt in der Praxis unterm Strich häufig netto aus. In der bBU hängt es von der Gestaltung ab. Klären Sie vertragliche Details, Zuschüsse und etwaige SV-Aspekte – idealerweise mit Steuerberatung.

2) Was ist wichtiger: Höhe der BU-Rente oder Top-Zusatzklauseln?

Die auskömmliche Rentenhöhe hat Priorität. Ohne ausreichende monatliche Leistung helfen exzellente Klauseln wenig. Danach kommen Dynamik und Nachversicherung, um Kaufkraft und Lebensphasen mitzunehmen.

3) Reicht eine Erwerbsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsabsicherung stattdessen?

Diese Produkte sind etwas anderes. Sie können Lücken schließen, ersetzen aber keine BU, weil die Leistungsauslöser andere sind. Für angestellte Akademiker- und Bildschirmtätigkeiten ist BU meist die hochwertigere Absicherung.

4) Was passiert bei Arbeitgeberwechsel mit der bBU?

Es gibt Lösungen mit Portabilität (Fortführung als Einzelvertrag) – prüfen Sie das vor Vertragsabschluss. Ohne Portabilität riskieren Sie Zuschussverlust oder erneute Gesundheitsprüfung. Empfehlung z. B. „Branchenlösung Medien“

5) Welche Unterlagen brauche ich für die Gesundheitsfragen?

Typisch: Arztbriefe, Diagnosen, Therapien, Krankschreibungen, Medikamente, Zeiträume – sauber geordnet. In Branchen-bBU genügen teils erleichterte Erklärungen, in der Branchenlösung Medien ist die einfache Dienstobliegenheitserklärung des Arbeitgebers ausreichend.

8) Handlungsschritte für Mitarbeitende in Verlagen

Bedarfszahl ermitteln:
Netto-Einkommen, laufende Kosten, Kredite, familiäre Verpflichtungen → daraus BU-Rentenbedarf ableiten (Faustregel: 60–70 % des Netto als Startpunkt prüfen).

Arbeitgeberangebot prüfen:
Gibt es eine bBU wie die „Branchenlösung Medien“ mit ≥ 15 % Zuschuss, erleichterter Gesundheitsprüfung und Portabilität? Gibt es Dynamik und Nachversicherung?

Gesundheit sauber dokumentieren:
Unterlagen zusammentragen (bei privater BU-Lösung), wahrheitsgemäß angeben. Bei Unsicherheit: anonyme Risikovoranfrage über einen spezialisierten Makler.

Leistungsbedingungen bewerten:
BU-Definition, Nachprüfung, Ausschlüsse, AU-Klausel, Wartezeiten, Leistungsdauer, Indexierung.

Steuer- & SV-Check machen:
Jahresarbeitsentgelt, Steuerklasse, Entgeltumwandlung/AG-Zuschuss – Nettoeffekte vorab durchrechnen lassen.

Plan B festlegen:
Wenn bBU fehlt oder unpassend: private BU frühzeitig sichern (Alterseffekt!), ggf. später über Ergänzungsbausteine optimieren.

Regelmäßiges Update:
Bei Gehaltsanstiegen, Familienzuwachs, Immobilienkauf – Nachversicherung prüfen, Dynamik nutzen.

9) Zusammenfassendes Fazit

Für typische Tätigkeiten in Verlagen ist die betriebliche BU häufig die klügere erste Wahl – wenn sie eine erleichterte Gesundheitsprüfung, angemessenen Arbeitgeberzuschuss (≥ 15 %), saubere Bedingungen und Portabilität vereint.


Die private BU bleibt ein starkes Instrument, insbesondere wenn maximale Tariffreiheit, individuelle Feineinstellungen oder Portabilität ohne Wenn und Aber im Vordergrund stehen – oder wenn keine hochwertige bBU verfügbar ist.

Klare Handlungsempfehlung:

  • Prüfen Sie zuerst das betriebliche Angebot (Zugang, Zuschuss, Portabilität, Bedingungen).
  • Alternativ oder ergänzend: private BU mit sauberer Gesundheits-/Beleglage, ausreichend hoher BU-Rente, Dynamik und Nachversicherungsgarantie.
  • Grenzen des Möglichen: Gesundheitsgeschichte, Budget, Tarifgrenzen – lassen sich nicht „wegverhandeln“. Realistische Absicherung ist besser als keine.

Grundbegriffe – klar definiert

  • BU (Berufsunfähigkeit): Zustand, in dem der zuletzt ausgeübte Beruf voraussichtlich dauerhaft (i. d. R. mind. 6 Monate) nicht zu mindestens 50 % ausübbar ist (versicherungsvertragliche Definition maßgeblich).
  • bBU (betriebliche BU): BU-Absicherung, die über den Arbeitgeber organisiert wird – häufig als Gruppenlösung, mit erleichterter Gesundheitsprüfung und möglichem Arbeitgeberzuschuss.
  • Arbeitgeberzuschuss: Finanzielle Beteiligung des Arbeitgebers an den Beiträgen – senkt die Netto-Last der Mitarbeitenden.
  • Nachversicherungsgarantie: Möglichkeit, die BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung bei Lebensereignissen oder planmäßigen Anlässen zu erhöhen.

Für wen eignet sich was?

Aus Sicht der Entscheider (HR, Geschäftsführung, Verleger):

Die bBU als Benefit mit Substanz: Senkt Absicherungsbarrieren, stärkt Mitarbeiterbindung und Arbeitgebermarke.Wichtig: saubere Kommunikation, opt-in-Prozesse, Daten- und Nachweisqualität, Portabilität für Mobilität in der Branche.

Aus Sicht der Angestellten (Lektorat, Vertrieb, Herstellung, Redaktion, Marketing)

Primär bBU, wenn: erleichterte Prüfung, ordentlicher Zuschuss, Portabilität, gute Bedingungen.

Privat vorteilhaft, wenn: keine bBU, besonders spezifische Tarifwünsche, sehr mobile Karrierepfade, sehr hohe BU-Rente erforderlich.

Über uns – wer wir sind und wofür wir stehen

Gemeinsam stehen wir für eine Beratung, die
– verständlich ist,
– rechtssicher strukturiert,
– auf die Besonderheiten der Buch‑ und Medienwelt zugeschnitten
– und immer auf Augenhöhe mit Arbeitgebern und Mitarbeitenden erfolgt.

AssetSecur – Absicherung mit Verstand. Beratung mit Branchenkenntnis.

Mario Bartosch: GGF und Berater der AssetSecur GmbH

Mario Bartosch, Gründer und Inhaber der AssetSecur GmbH, ist
bAV‑Experte (Deutsche Maklerakademie), Dipl.-Betriebswirt für Versicherungswesen und seit mehr als zwei Jahrzehnten ausgewiesener Spezialist für die Themen betriebliche Altersversorgung, Finanzplanung und Biometrie. Seine tiefe Branchenkenntnis macht ihn zu einem der erfahrensten Ansprechpartner für Verlage, Medienhäuser und Kulturbetriebe.

Fiona Schwesig: Geschäftsführerin und Beraterin der AssetSecur GmbH

Fiona Schwesig, Geschäftsführerin und Beraterin der AssetSecur GmbH, ist Kauffrau für Versicherungen und Finanzen sowie Expertin für betriebliche Altersversorgung (Deutsche Maklerakademie). Seit 2022 verstärkt sie das Unternehmen mit modernen Beratungskonzepten rund um die bAV für Arbeitnehmende sowie die Berufsunfähigkeitsversicherung ohne die üblichen Gesundheitsfragen über die „Branchenlösung Medien“.

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